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Vorderseite Programmheft 'Geheime Freunde'
Rudolf Herfurtner
Geheime Freunde

nach dem Roman
Der gelbe Vogel
von Myron Levoy

Bearbeitet für die Studiobühne Leverkusen e. V.
von Karin Staffe und Barbara Stöcker

Inszenierung: Karin Staffe


Mitwirkende:
Sol Silverman: Max Brenger
Ruth Silverman: Carmen Pöggel
Alan: Thomas Dorweiler
Shaun: Patrick Steiner
Naomi: Heike Lehnert
Joe: Dirk Volpert
Schwester Rose: Charlotte Röhr / Jutta Lubinsky


Das Stück spielt im Sommer 1944 in einem gemischten Wohnviertel New Yorks. Doch es ist kein Stück über das Dritte Reich, Antisemitismus oder den 2. Weltkrieg. Dies alles bildet nur den Hintergrund und Rahmen.

Im Mittelpunkt steht vielmehr die Geschichte zweier Freundschaften: Die von den jüdischen Kindern Alan und Naomi - eine schwierige Freundschaft, die belastet wird durch Ängste von innen und Aggression von außen. Und die Freundschaft von Alan und Shaun - eine Jungenfreundschaft, die durch Verlust und Wiedergewinnung gekennzeichnet ist und zeigt, daß Jungen- und Mädchenfreundschaften sich nicht ausschließen und zwei verschiedene Dinge sind; jedes auf seine Art wichtig und notwendig.

Alan wird von seinen Eltern gebeten, das seelisch völlig verstörte Mädchen Naomi aus seiner Isolation herauszulocken, sich mit ihr unter therapeutischen Aspekten in Verbindung zu setzen.

Diese Bitte trifft auf einen Jungen, der in erster Linie Schlagball spielen will, der ganz stark aus der Freundschaft mit Shaun Kelly heraus lebt und der, wie sein Freund, Mädchen doof findet.


Doch Alan's Vater überläßt seinem Sohn selbst die Entscheidung für oder wider den Auftrag und hebt ihn so aus dem Kindstatus heraus. Nach einem Gespräch mit seiner Puppe Charlie, einem Doppel-Ich Alan's, beginnt der Junge aus eigenem Antrieb Verantwortung zu übernehmen und sich in dieser Verantwortlichkeit als Person zu suchen und zu finden.

Die Kontakte zu Naomi, anfangs aus dem Gefühl der Pflicht heraus gesucht, sind mühsam und karg. Das Mädchen vermag sich nicht selbst als Ich preiszugeben und spaltet sich in Naomi und Yvette, das Puppenpendant zu Charlie, auf. Doch nach und nach dringt Alan zu Naomi vor; sie werden "Geheime Freunde".

Aus dem innerlich unsicheren, hochsensiblen und überempfindlichen Jungen, der sich als Versager, als "Schisser" empfindet, wird in diesem Prozeß ein junger Mann, der den Weg zu sich selbst findet, weil er in der Begegnung mit Naomi seinen inneren Wert erkennen kann und weil ihn der Freund Shaun zu einem vollen, tragfähigen Vertrauen führt.

(Zusammengestellt aus Texten von Dr. Gerhard Haas: "Lesen in der Schule".)




Myron Levoy

aufgewachsen in den 30er und 40er Jahren in dem ethnisch-gemischten New Yorker Stadtteil Queens; der Vater jüdischer Emigrant aus Hannover, die Mutter Ungarin. Kindheitserfahrungen aus dieser Zeit fließen in seine Jugendbücher ein. Sein Roman "Der gelbe Vogel" wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis.
 


Rudolf Herfurtner
geboren 1947 in Wasserburg am Inn, lebt in München und ist Kinder- und Jugendbuchautor. Herfurtner hat seit 1981 vier Theaterstücke geschrieben. "Geheime Freunde" entstand 1986 nach einer holländischen Bühnenfassung des Romans von Myron Levoy. Im gleichen Jahr fand im Münchner Theater der Jugend die Uraufführung statt.




So urteilte die Presse:

Rheinische Post vom 03.03.1994

Studiobühne im Künstlerbunker löste Betroffenheit aus
Geheime Freunde: Zerbrochen an den Nazis

Der Lichtkegel strahlt nur die Einzelteile des zerbrochenen Spielzeug-Fliegers an. In betretenem Schweigen verharren die Zuschauer auch noch, als das letzte Scheinwerferlicht längst verloschen war. Dieser Ausdruck der Betroffenheit dürfte die sieben Darsteller der Studiobühne Leverkusen glücklicher gemacht haben, als der Beifallssturm, mit dem das Publikum die hervorragenden schauspielerischen Leistungen des kleinen Laienensembles im Künstlerbunker Karlstrasse quittierte.

"Der gelbe Vogel", so der Titel der Romanvorlage von Myron Levoy, nach der Rudolf Herfurtner das Theaterstück "Geheime Freunde" schuf, steht als Sinnbild für eine tiefe Freundschaft, die durch die Auswirkungen des Nazi-Regimes zerbrochen wurde. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die zwölfjährigen jüdischen Kinder Alan und Naomi, die im Sommer 1944 in einem gemischten Wohnviertel New Yorks aufeinander treffen. Das Mädchen hat in der besetzten Heimat Frankreich die Ermordung des Vaters durch Nazis mitansehen müssen. Nach der Flucht mit ihrer Mutter hat sie das Geschehene nicht verkraftet. Sie ist verstört und spricht in ihrer unbewältigten Angst mit niemandem. Mit Hilfe seiner Bauchrednerpuppe Charlie gelingt es Alan, das Mädchen aus seiner Isolation herauszulocken, sie gewinnt wieder Freude am Leben. Er riskiert dabei die Jungenfreundschaft mit Shaun, der ihn als "Schisser" beschimpft. Als ihr neugewonnenener Freund von einem Jungen überfallen und geschlagen wird, sind die alten Ängste wieder da, Naomi fällt vollends in Apathie.

Mit Thomas Dorweiler und Heike Lehnert sind die Rollen der jüdischen Kinder hervorragend besetzt. Beide gehören schon lange zum Stamm des Ensembles im Künstlerbunker. So gelingt es ihnen auch, die Mischung von kindlicher Verspieltheit und dem "erwachsenen" Ernst ihrer schwierigen Situation zu bündeln. Exakt getroffen hat Thomas Dorweiler die etwas unbeholfenen Bewegungen eines unsicheren Zwölfjährigen, der hin- und hergerissen ist. Unruhigen, irren Blick in den Augen zerreißt Heike Lehnert als Naomi unentwegt Papier. Genau ist in ihrem Gesichtsausdruck abzulesen, was in ihr vorgeht, wie sie sich im Laufe der Geschichte zunehmend verändert. Max Brenger und Carmen Pöggel als Alans Eltern, Patrick Steiner und Dirk Volpert als Nachbarkinder runden das Ensemble ab. Weitere Vorstellungen von "Geheime Freunde" finden am 4./8./11./15./18./19./20. März jeweils um 20 Uhr statt.
Monika Klein


Leverkusener Anzeiger vom 03.03.1994

Ein Stück Hoffnung bleibt trotz traurigen Schlusses
Die Studiobühne im Künstlerbunker bewegte das Publikum -
Premiere von "Geheime Freunde"

Langsam erlischt der Scheinwerferkegel, der das in Einzelteile zerlegte kleine Flugzeug auf der Bühne beleuchtet hat - Symbol für einen Kinderseele, der der Krieg und die Grausamkeit der Erwachsenen die Flügel gebrochen hat. Nur zögernd löst sich die Betroffenheit und Spannung im Publikum und weicht dann doch einem begeisterten Applaus für eine Premiere im Künstlerbunker, die die Herzen der Zuschauer tief bewegt hat.

Die Rahmenhandlung von "Geheime Freunde", einem Stück von Rudolf Herfurtner, das Karin Staffe mit viel Fingerspitzengefühl inszeniert hat, ist schnell erzählt: Naomi, ein französisches Mädchen, das mit ansehen mußte, wie ihr Vater von den Nazis erschlagen wurde, kommt völlig verstört nach New York. Dort versucht der 12jährige Alan sie mit viel Geduld aus ihrem Schneckenhaus herauszuholen, verliert aber schließlich doch gegen die Zer- störung, die die schrecklichen Erlebnisse im Innern des Kindes angerichtet haben.

Im Mittelpunkt aber stehen die Kinder, so überzeugend gespielt von Heike Lehnert und Thomas Dorweiler, daß man schon nach wenigen Augenblicken vergißt, daß die Schauspieler eigentlich viel zu alt für diese Rollen sind. Nur widerwillig kümmert sich Alan zunächst auf Wunsch seiner Eltern um Naomi und wächst doch mit dieser schweren Aufgabe über sich selbst hinaus und findet sich selbst in der Sorge um seine neue Freundin.

Mehr als jede plakative Verurteilung der Nazi-Herrschaft, die bei der Inszenierung der Studiobühne bewußt in den Hintergrund gestellt wurde, macht dieses Stück deutlich, was Krieg und Gewalt in Menschen anrichten. Trotz des traurigen Schlusses - Naomi kommt in eine psychiatrische Anstalt, macht das Stück Hoffnung. Denn sowohl Alans Freund Shaun (sehr gut besetzt mit Patrick Steiner) als auch seine Eltern (liebevoll gespielt von Max Brenger und Carmen Pöggel) sind durch die Erlebnisse innerlich gereift und haben begriffen, daß es wichtig ist, sich für andere Menschen einzusetzen - auch wenn man den Kampf vielleicht verliert.
Florian Kolf

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