Ein Bericht für eine Akademie

von Franz Kafka - Inszenierung Karin Staffe

Der Affe Rotpeter war von einer Akademie aufgefordert worden, einen Bericht über sein "äffisches Vorleben" einzureichen. Ein Bericht für eine Akademie ist seine Antwort auf diese Anfrage. Rotpeter erklärt zunächst, er könne den gewünschten Bericht nicht vorlegen. Fünf Jahre trennten ihn vom Affentum, einer Gattung, der er nicht mehr angehöre. Deshalb besitze er keine Erinnerungen mehr an sein äffisches Vorleben. Innerhalb von fünf Jahren sei es ihm gelungen, die Entwicklung vom Affen zum Menschen "durchzugaloppieren", und zwar nur dadurch, dass er "nicht an seinem Ursprung, an den Erinnerungen der Jugend" habe festhalten wollen. Dennoch könne er die Anfrage der Akademie in "eingeschränktestem Sinn" beantworten: indem er nicht über sein äffisches Vorleben, sondern über das Zwischenstadium der Entwicklung vom Affen bis zu seinem heutigen Zustand berichte.
 
Franz Kafkas Erzählung, die 1917 erschien, ist wie alles, was er schrieb, eine Parabel: der Vortrag eines Affen, der erzählt, wie er nach seiner Entführung aus dem Urwald der Gefangenschaft nur entkommen konnte, weil er sich anpasste und durch genaue Beobachtung und Imitation fast zum Menschen wurde.
Kafka kehrt -wie in vielen seiner Texte- etablierte Verhältnisse und Denkweisen um: Rotpeter ist nicht mehr auf menschliche Hilfe zur Beschleunigung der evolutionären "Höher"-Entwicklung angewiesen; er hat sein Schicksal selbst in die Hand genommen. Seine Evolutions-"Geschichte" zeigt die Evolution in actu, als einen selbstinitiierten Willensakt. Er lässt nicht mehr den Affen Objekt menschlicher Wissenschaft sein, sondern macht einen Affen, der sich für einen Menschen hält und vor einer Akademie zu sprechen glaubt, selbst zum Wissenschaftler, der als Kompetentester von allen in Sachen Evolution einen wissenschaftlichen Bericht vorlegt. Und diese Perspektive zielt auch wieder vom Affen zurück auf die Menschenwelt: Menschliche Trapezkünstler im Varieté können bei einem Affen nur Gelächter erregen, und Rotpeters erster Lehrer musste selbst "fast äffisch in eine Heilanstalt gebracht werden".
Thomas Dorweiler (Affe Rotpeter)
 
Karin Staffe (Regie)
Simon H. Kappes (Regieassistenz)
Christa Ruttmann (Souffleuse)
Christa Ruttmann (Bühnenbild/Kostüme)
Jan Rüdiger (Bühnenarbeiten)
Renate Basner / Sabine Lüer (Maske)
Simon H. Kappes (Licht)
Karin Staffe (Beleuchtung)
 
Premiere 31. Oktober 2009

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